Frühlingspost 2020

Ihr Lieben,

die Frühlingspost 2020 ist offiziell schon beendet, doch auch hier hat Corona mit all seinen Auswirkungen auf unseren Alltag einiges durcheinander gebracht. Noch sind nicht alle Stöffchen bei mir eingetroffen - was ich aber sehr gut verstehen kann, denn es war sehr chaotisch und ein Stoff wird sogar aus St. Petersburg zu mir reisen. Die Vorfreude ist umso größer!
Mittlerweile sollten die Stoffe, ich ich für meine Gruppe entworfen habe, jedoch alle angekommen sein und darum erlaube ich mir heute, Euch allen zu zeigen, was ich gemacht habe. Leider habe ich in geistiger Umnachtung alle Fotos des Schaffensprozesses gelöscht ("Ach, die hab ich ja da und da noch!" - Nein, hatte ich nicht...), aber ich hoffe, mit den Fotos drumherum wird der Prozess auch deutlich.

Die Vorgabe war: Schablonendruck auf Stoff in 50x70 cm zum Thema "Flora und Fauna", Farbspektrum Ton in Ton. Und das ist mein Ergebnis:

Frühlingspost 2020


Meine Idee war sofort, einen Scherenschnitt in der passenden Größe 50x70 cm zu machen. Ich liebe Scherenschnitte! Allerdings macht man die normalerweise auf Basis eines Quadrates. Das passt zu 50 x 70 cm nicht ganz. Also habe ich an proportional verkleinerten Rechtecken verschiedene Faltungen getestet. Dabei konnte ich auch gleich herausfinden, wo welcher Knick sichtbar oder nicht sichtbar entlangläuft und wie sich das nach dem Schneiden auf das Muster auswirkt.

Faltungen testen mit Packpapier

Testscherenschnitt
Ein verkleinerter Probescherenschnitt - wo geht am Ende welche Falz entlang?

Die Probeschnitte habe ich aus Packpapier gemacht. Das ging so gerade noch, war aber für die Schere eigentlich schon zu dick. Trotzdem habe ich eine Falttechnik gefunden, die ganz gut funktionierte. Die habe ich dann auf Seidenpapier im Format 50x70 cm übertragen. Das ist viel dünner und lässt sich mit mehreren Lagen viel besser schneiden. Es ist allerdings auch etwas flutschiger, deswegen muss man die Lagen bei dieser Größe irgendwie miteinander fixieren, damit sie sich nicht verschieben.




Beim Schneiden mit der Schere verrutscht das Seidenpapier gerne, deswegen klammere ich es so viel wie möglich fest.

Im Laufe meiner vielen Teste und Versuche habe ich festgestellt, dass man das Seidenpapier besser mit dem Cutter schneidet und nicht mit der Schere. Das birgt auch den Vorteil, dass ich nicht nur an den Knicken schneiden kann, sondern auch auf dem planen Papier, wo ich sonst nicht mit der Schere hinkomme, ohne einen zusätzlichen, unnötigen Schnitt zu hinterlassen. Ich muss aber aufpassen, dass ich nicht falsch über darunterliegende Falze schneide, damit die Schablone am Ende schön aussieht. Ich muss mich genau an die Vorzeichnung halten. Das ist eine Sache des Versuchens: Manche Formen sehen gut aus, wenn sie über eine Falz geschnitten werden und ergeben hübsche Ranken. Manche sehen aber doof aus und machen einfach nur Löcher ins Papier...
Das Papier muss beim Schneiden außerdem mit ganz vielen Klemmen und Klammern fixiert werden, damit es nicht verrutscht. Die gute, alte Büroklammer leistet hier hervorragende Dienste, da sie sich auch in bereits ausgeschnittene Formen klemmen lässt. Dicke Buchbinderklammern eignen sich nur am Rand und an Stellen, an denen man gerade nicht arbeitet, weil sie nicht so schön plan aufliegen und außerdem verhältnismäßig schwer sind und das Schneiden umständlich und schwierig machen.

Die aufgefaltete Vorlage aus Seidenpapier. Ich habe ein paar Glasplatten darauf gelegt, um die Falten vor dem Fotografieren zu minimieren.

Wenn man alle Formen erfolgreich ausgeschnitten hat, erhält man am Ende eine solche Schablone und kann schon mal einen ordentlichen Zwischenjubler ertönen lassen. Hurra!
Aber: Diese Schablone aus Seidenpapier ist zwar sehr hübsch (ich habe sie als "Vorhang" am Fenster hängen und die Nachbarn lieben sie!) - aber zum Drucken eignet sie sich wegen des Materials nicht. Das Seidenpapier würde, weil es so fein und saugfähig ist, höchstens einen einzigen Druck mit Farbe überleben. Deswegen habe ich die Schablone aus Seidenpapier nochmal abgepaust. Diesmal auf dickeres Skizzenpapier aus Recyclingpapier. Das habe ich genommen, weil es schon die passende Größe von 50x70 cm hat. Ein anderes dickes Papier tut es aber auch.
Ich habe nur die obere Hälfte abgepaust, um mir etwas Arbeit zu sparen. Das abgepauste Skizzenpapier habe ich dann einfach auf der Hälfte gefaltet und doppellagig ausgeschnitten. Vorher habe ich aber die Rückseite mit Klebeband beklebt, sozusagen "laminiert", um das Papier weniger anfällig für die Druckfarbe zu machen. Sonst hätte es die Farbe aufgesaugt und sich gewellt.

Fleißarbeit: kleinteilige Motive mit dem Cutter ausschneiden. Dabei ist die Schablone hälftig gefaltet und auf einer Schneidematte fixiert.

Damit ich besser schneiden kann, habe ich das Papier außerdem in gefaltetem Zustand mit Klebeband auf die Schneidematte gelegt, damit nichts verrutscht. Das hat sehr gut funktioniert! Amschönsten war der Moment, in dem ich die Schablone auffalten konnte und feststellte: Alles hat geklappt! Nochmal Jubeln: Hurra!

Für den Druck habe ich die Schablone mit der Papierseite auf den Stoff gelegt. Diese Bilder sind nach der Frühlingspost entstanden. Weil ich da schon mit der Schablone gedruckt hatte, ist sie blau eingefärbt.
Die Unterlage (das Drucktuch) wird am Tisch fixiert, die Schablone wird am unteren Rand am Drucktuch festgeklebt.


Die Schablone kann ich nach vorne umklappen, so dass ich den zu bedruckenden Stoff einfach darunter legen und die Schablone wieder darauf klappen kann.

So Ist nur die mit Klebeband laminierte Seite mit der feuchten Farbe in Kontakt gekommen und das hat die Schablone sehr gut ausgehalten. Ich kann sie noch einige Male verwenden.
Außerdem habe ich die Schablone beim Drucken am unteren Ende mit Klebeband an der Unterlage fixiert. Das hat mehrere Vorteile: Sie verrutscht weniger beim Drucken, was einen relativ sauberen Druck ermöglicht. Außerdem kann ich die Schablone nach jedem Druck nach unten umklappen und ein neues Stück Stoff anlegen. Wenn es auf das Format ankommt, ist das ganz praktisch.

Und hier nochmal das fertige Motiv:

So sieht es digitalisiert aus. Hier kann ich verschiedenen Farbkombinationen testen und überlegen, ob ich mehrere Schablonen für einen mehrfarbigen Druck schneiden möchte.

Verschiedene Stoffreste dienten als Probedruckstöffchen.



Auch das Drucktuch hat etwas vom Muster abbekommen.


Mit dieser Schablone drucke ich sicher bald wieder - denn ich bin noch Zusatzpost schuldig und möchte noch andere Farbkombinationen testen. Vielleicht sogar mehrfarbig?

Ich hoffe, Euch gefällt das Motiv. Bleibt nur noch zu sagen: Bleibt gesund und fröhlich! :-)

Bis bald!

Kommentare

  1. liebe maike, soooo schön dein Muster und die damit bedruckten Stoffe!! und was für eine Arbeit du dir da gemacht hast. das ist Hingabe und Leidenschaft :-)
    herzliche grüße aus dem Süden, martina

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    1. Liebe Martina,
      vielen Dank für das Feedback! Ja, das war wirklich Hingabe. Ich hatte sooo viel Spaß daran und habe viel gelernt. Wie schön, dass der Stoff dann gefällt, das freut mich sehr!
      Liebe Grüße, Maike

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  2. Es ist wieder einmal unglaublich, was du zaubern kannst, und welche Herausforderungen du dir stellst. Großartig! Ich hatte es ja schon am Rande gesehen, aber jetzt nochmal in aller Ausführlichkeit erklärt, ist es einfach perfekt. Habe heute beim Wandern viel an dich gedacht hast du das gemerkt?
    Liebe Grüße
    Michaela

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    1. Danke für Dein Lob! Es ist halt -wie immer- plötzlich eskaliert :-)
      Ja, ich habe beim Wandern auch an Dich gedacht. Das mache ich in letzter Zeit öfter, denn wir haben uns so lange nicht mehr gesehen. Eine Trulladosis wird dringend notwendig!

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