Tipps zum Stempelschnitzen: Was schnitze ich weg?


Die fertige Skizze für ein japanisches Wellenmuster, fertig auf Transparentpapier.

Heute: 👉Was schnitze ich weg?👈

Eine ganz wichtige Frage beim Stempelschnitzen ist, was weggeschnitzt wird und was andererseits stehenbleiben darf. Unterschiedliche Entscheidungen können hier zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führen. Oben ist die Skizze für ein Muster zu sehen, hier vier unterschiedliche Versionen, die alle aus derselben Skizze entstanden. Man sieht ganz deutlich, dass unterschiedliche Entscheidungen am Ende eine ganz unterschiedliche Wirkung haben:


Ganz links habe ich alle Linien stehen lassen, aber alle Flächen weggeschnitten.
Beim zweiten von links habe ich die Linien der gefüllten Wellen und die leeren Wellen weggeschnitten.
Dann kommen die "Gegenteile": beim zweiten von rechts habe ich die Linien weggeschnitten.
Ganz rechts habe ich die Linien der gefüllten Wellen und die leeren Wellen stehenlassen.

Bei diesem Muster sehen alle Varianten gut aus. Wichtig ist, dass man innerhalb eines Rapports konsequent einer Entscheidung treu bleibt. Noch wichtiger ist das, wenn man kein Muster schnitzt, sondern ein Motiv.
VOR dem Zeichnen sollte man sich überlegen, ob das, was man auf das Stempelgummi zeichnet oder kopiert, stehenbleibt oder weg kommt. Alles, was weg kommt, sieht man im Druck nicht. Alles was stehenbleibt, wird gedruckt. 

Wellenmuster gehen wirklich immer. Ich liebe sie!

Vier ganz unterschiedliche Stempel sind entstanden.

Bei diesem Muster macht es auf den ersten Blick zwar Sinn, nach Linie und Fläche zu unterscheiden. Grundsätzlich empfehle ich jedoch nach "markiert" und "nicht markiert" zu unterscheiden. Flächen lassen sich durch einfache Schrafften markieren, Linien sieht man sowieso, sie sind sozusagen von Natur aus "markiert". Dann macht es Sinn, eine Faustregel aufzustellen: "Alles, was markiert ist, bleibt stehen!"
Markierungen stehen zu lassen ist deshalb am sinnvollsten, weil man so schon das Druckbild erahnen kann und nicht zum Negativbild umdenken muss.

Die Druckbilder sind alle schön...


...und lassen sich bestimmt auch untereinander kombinieren!

Man muss sich nicht fix für eine Faustregel entscheiden und diese IMMER verfolgen. Beim einen Motiv macht es Sinn, die Linien wegzuschneiden, bei einem anderen ist es sinnvoller, sie stehen zu lassen. Man sollte aber innerhalb eines Motivs konsequent bei einer Entscheidung bleiben.

Viel Spaß beim Schnitzen!


Kommentare

  1. Danke Dir. Ja, beim Vorbereiten eines Motivs passiert das schneller, als man denken kann. Nur weil man nicht ordentlich aufgemalt hat. Und dann ist der Kontrast dahin, das "Schwarzweiß Bild" zerstört. Deswegen kann ich auch nur jedem raten, nicht nur die Konturen zu umrunden, sondern diese "Stehenbleiber" auszumalen.
    Liebe Grüße
    Nina

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