Dienstag, 2. Oktober 2018

Über das Stempelschnitzen

Liebe Alle,

wer mir auf instagram folgt (@fraugaebel), hat in den letzten Wochen einen herbstlichen Stempelmarathon mitbekommen. Inspiriert durch Michaela* habe ich so viele Ideen gehabt, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte. Einige von Euch wollten daraufhin wissen, welches Material ich verwende und wie das so funktioniert.
Heute möchte ich versuchen, Euch meine Art des Schnitzens von Stempeln etwas näher zu bringen. Ich bin mir sicher, dass andere Stempelschnitzer andere Tricks, Techniken und Vorlieben haben, es lohnt sich also, die Augen offen zu halten.
(Ich nenne Produktnamen und Bezugsquellen, das könnte trotz fehlendem wirtschaftlichem Vorteil für mich als Werbung zählen. Muss man ja heutzutage erwähnen.)

Angefangen hat meine Freude am Drucken tatsächlich mit Linoldruck. Dieses Material eignet sich meiner Meinung nach aber nicht für kleine Stempel, denn es ist sehr hart. Deswegen muss man viel Kraft aufwenden, um zu schnitzen und bei kleinen oder filigranen Motiven könnte (und kann) man sehr schnell abrutschen und unschöne Extraschnitte in das Motiv schneiden. Zwar ist Linol wegen der Härte ein Stück weit reparabel, in dem man die ausgeschnitzten Fitzelchen und Streifen mit etwas Uhu wieder anklebt, aber man braucht sehr viel Übung und Fingerspitzengefühl, damit man diese Stellen im Druckbild später nicht sieht. Linol also lieber nicht für Stempel nehmen.

Was gleich bleibt, auch wenn das Linol wegfällt, ist das Werkzeug: Ich nutze zum Schnitzen das Linolschnittwerkzeug von boesner und bin damit zufrieden. Ich habe noch ein anderes No-Name-Set, was aber furchtbar stumpf ist. Stumpfes Werkzeug ist ungefähr das Dümmste, was passieren kann. Wenn man schneidet, braucht man immer (!) etwas gut geschliffenes. Leider sind die Schneiden der Linolschnitttwerkzeuge meist aus nicht gehärteten Metallen, weswegen man sie nur von Hand mit sehr viel Geduld wieder scharf bekommt. Das scharfe Linolschnittwerkzeug von boesner kostet aber keine Welt und lohnt sich durchaus in der Anschaffung.
Einfache geometrische Muster kann man auch mit einem Küchenmesser oder Cutter schneiden.

Zurück zum Stempelmaterial:


Für feine und filigrane Schnitzereien nutze ich "Softcut" (s. Bild oben). Das ist eine helle Kunststoffplatte, die ich mir mit einem Messer einfach in die gewünschte Form und Größe schneiden kann. Es ist viel weicher als Linol und daher besser zu schnitzen. Man kann kontrollierter schneiden, weil man weniger Kraft benötigt. Ein weiterer Vorteil ist, dass es beim Schneiden stabil bleibt. Wenn ich bei dem oberen Motiv z.B. die engen Kurven am Stielansatz schneide, bleibt das restliche Material stehen und verbiegt sich nicht, obwohl es schon sehr dünn ausgeschnitten ist. So kann ich präzise arbeiten.



Auch bei diesen beiden Stempeln habe ich mich für das Softcut-Material entschieden.

Die Alternative zu Softcut ist "Factis", ebenfalls erhältlich bei boesner. Die blauen Blöcke gibt es ebenfalls in verschiedenen Größen, man kann sie sich leicht selbst zurechtschneiden. Factis ist ein klassisches Stempelgummi aus Vinyl und etwas weicher als ein Radiergummi. Es schneidet sich sehr buttrig, was sehr angenehm ist, denn man benötigt wirklich wenig Kraft. Ich habe damit z.B. die dicke Hagebutte und die kleine Teetasse geschnitzt (s. Bilder unten).

Die Hagebutte aus Factis-Stempelgummi funktioniert gut, denn die Feinheiten sind überschaubar.

Bei der Teetasse aus Factis sieht man, wie unterschiedlich dick die Linien werden können. Ich konnte nicht so genau arbeiten, das Original ist ca. 3,5 cm groß
Ein Vorteil von Factis ist, dass auch die Farbe vom Stempelkissen sehr gut hält, was bei Softcut nicht immer der Fall ist. Dafür finde ich Softcut wegen seiner Härte etwas robuster beim Reinigen. 

Zu guter Letzt sei erwähnt, dass sich auch normale Radiergummis gut zum Stempelschnitzen eignen. Hier muss man ein wenig testen. Je nach Radiergummi und Motiv kann es z.B. sein, dass das rote, rauhe Material bei den klassischen Schulstempeln etwas "mehlig" ist, was sich aber nicht unbedingt negativ auswirken muss. Einfach testen - auch mit "Fehlschnitzern" lassen sich am Ende gelungene Muster zaubern!



Hier noch ein Überblick mit einigen Motiven aus unterschiedlichen Materialien:
1) Die Rispe. Sie ist aus Softcut. Den Probedruck habe ich mit einem Stempelkissen gemacht, man sieht, dass die Farbe sehr dick und genau aufgetragen werden müsste. Mit Acrylfarbe erzielt man bessere Ergebnisse.
2) Die Dolde #1: Wie die Rispe aus Softcut und mit Stempelfarbe. Der erste Stempel mit diesem Motiv war aus Factis. Ich habe damit mit Acrylfarbe gedruckt und den Stempel nur mit einem Schwämmchen gereinigt. So blieben Farbreste in den feinen Kügelchen am oberen Motivende, die dann getrocknet und abgebrochen sind. Dabei hat es ein paar Stempelteile mit abgebrochen und ich musste das Motiv neu schnitzen. Mit einer Spülbürste lassen sich feine Stempel besser reinigen, aber hier finde ich das Sofcut etwas robuster.
3) Die Samenkapsel aus Factis - ein viel satteres Druckbild mit Stempelfarbe als bei den Softcutstempeln.
4) Die Dole #2 aus einem alten Radiergummi - ebenfalls ein schönes und sauberes Druckbild.
5) Die Samenkapsel aus Softcut. Das Motiv ist feiner geschnitzt.

Wenn Ihr Stempel geschnitzt habt, könnt Ihr sie im Prinzip schon verwenden. Da die Stempelplatten aber nur sehr dünn sind, ist es für eine einfache Handhabung ratsam, einen Stempelblock anzubringen, damit man die Stempel besser greifen kann. Ich habe im Keller alte Holzleisten gefunden, die sich prima zurechtsägen lassen. Auch Bauklötze, Holzspielfiguren (z.B. von "Mensch ärgere Dich nicht" für ganz kleine Punkte), Spielwürfel oder Astscheiben sind gute Helfer. Wer Muster im geilchmäßigen Rapport drucken will, kann Acrylblöcke nehmen, die sind durchsichtig und man kann besser sehen, wo man ansetzen muss. Ich habe solche Blöcke nicht (weil ich sie noch nicht besorgt habe). Alle meine Muster sind mit Holzleisten und Augenmass entstanden.

Das Ergebnis des Druckbildes hängt auch vom Untergrund ab. Wenn da keine Specialeffects gewünscht sind, sollte er glatt, frei von Unebenheiten und Farb- oder Fettflecken sein. In jedem Falle bietet es sich an, eine Unterlage zu benutzen, wie etwa ein Tuch, ein Block, eine Pappe. Je weicher die Unterlage ist, desto mehr lässt sich der Stempel in den Untergrund drücken. Auch hier lohnt es sich, ein paar Testdrucke zu machen.

Ich hoffe, ich konnte Euch einige Fragen beantworten.

Viel Spaß beim Stempeln :-)

Maike

* Aus Gründen des fehlenden Disclaimers und des Datenschutzes und des drohenden Überfalls des intergalaktischen Imperiums setze ich hier keine direkten Links.
Die wunderbare Michaela Müller findet man aber mit ihrem Blog muellerinart und dem Zusatz "Blog" sehr leicht in der Internetsuche. Ebenso empfehle ich das Vorbeischauen bei der lieben Andie von Regnitzflimmern, die für mich die Stempelkünstlerin par excellence ist (und im Gegensatz zu mir auch die filigransten Stempelchen aus dem blauen Factis schnitzen kann).

Dienstag, 3. Juli 2018

Über Fliesen und den Mustermittwoch


Liebe Alle,

in den letzten Wochen (*hüstel* Monaten!) gaben sich ein Projekt nach dem anderen die Hand und ich war ungefähr völlig beschäftigt. Über ein paar Sachen werde ich nun nacheinander berichten.
Fangen wir an mit dem Mustermittwoch, einer Aktion von Michaela Müller, die Ihr als Mitinitiatorin schon aus meinem Beitrag über das PostKunstWerk kennt. (Wenn nicht: anklicken lohnt sich!)
Jeden Monat gibt es ein Thema, zu dem immer mittwochs (oder wie es passt) Muster gezeigt werden. Im Juni war das Thema "Fliesen" und ich bin abgegangen mit Frittenfett. Hatte ich gar nicht erwartet, aber so kam es.

Als Erstes habe ich Fliesen von Hand entworfen. Und dann hatte Michaela die grandiose Idee, Fliesen mit Hilfe des Scherenschnittes zu entwerfen. Da gab es dann kein Halten mehr.

Einfache Linien gehen immer!


Geometrisches Muster von Hand entworfen

Fliesenmuster von Hand entworfen
...und das geometrische als Geschenkpapier mit roter Bastschleife.

Und dann kam der Tag, an dem ich die Scherenschnitte entdeckte. Mittlerweile sind es über 70 - und längst noch nicht alle geschnitzt.

Die Scherenschnitte habe ich als Schablone auf Hartgummiplatten (gibt's bei boesner) gepaust und stellenweise etwas korrigiert. Allerdings nur das Gröbste, denn ich mag es, wenn man sieht, dass es handgemacht ist. 

Die Hartgummiplatten sind stabil, aber wesentlich leichter zu bearbeiten als z. B. Linol. Außerdem kann man sowohl mit Bleistift als auch mit Kuli darauf vorzeichnen (und wenn es nicht gefällt, wischt man alles mit einem feuchten Tuch wieder weg).

Linolschnittwerkzeug lässt sich prima zum Musterschnitzen einsetzen. Für die feinen Linien und Ecken sowie für's Vorschneiden nehme ich das feine V-Werkzeug.

Für einen Testdruck mit unterschiedlichen Fliesen habe ich sie erstmal auf dem Format 20x20cm ausgelegt um zu schauen, wie sie am besten passen.

Und so sieht der fertige Druck aus.

Stempelgummi war auch nicht sicher vor den Fliesenmustern. Damit habe ich zum ersten Mal gearbeitet. Sehr weich, noch leichter zu schnitzen als das Hartgummi, allerdings muss man an den Rändern vorsichtig arbeiten, weil das Material sich wegen der Weichheit sehr verbiegt.

Immer wieder am spannendsten war der Moment der Probedrucke. Wie sieht die Fliese aus, wenn sie gedruckt ist? Und wie sieht sie aus, wenn sie ganz oft gedruckt wird?

Ich habe noch eine ganze Menge anderer Bilder und es fällt wirklich schwer, eine Auswahl zu treffen. Und noch viel schwerer fällt es, dieses Thema für das nächste Projekt vorerst loszulassen. Ich habe so viele Ideen, wie ich die Fliesen und Muster einsetzen kann, was ich noch verbessern kann und was daraus werden soll. Aber: Jetzt kommt erstmal die Sommerpost - doch dazu in den nächsten Tagen mehr.

Habt Ihr auch schöne Fliesenmuster?

Euch allen einen schönen Abend und bis bald!
Maike

Sonntag, 1. April 2018

Über das Freuen (und Stolz sein)

Liebe alle,

vor Weihnachten habe ich einen kleinen Auftrag von einer Nachbarin bekommen. Ein Gedicht sollte ich abschreiben. Darüber habe ich hier geschrieben. Zur gleichen Zeit bin ich in der Bahnhofsbuchhandlung über die Zeitschrift "Kalligrafie aktuell", die sich jetzt "Handschrift" nennt, gestolpert. Dort gibt es ganz hinten die Rubrik "Leserbriefe", in denen die Leser*innen Fotos ihrer Werke einsenden können.
In einem Anflug von Stolz und Selbstbewusstsein habe ich ein Bild dieses Gedichtes an die Zeitschrift geschickt. Ich dachte, möglicherweise würde man irgendwo noch ein Eckchen für mein Werk finden. Kurz darauf kam die Antwort der Redaktion, dass man meine Einsendung gerne drucken würde.
Am 17.3. erschien dann das neue Heft, aber in Ermangelung von Geld und der Zeit, in die Bahnhofsbuchhandlung zu fahren, musste ich bis heute warten, um einen Blick in das Heft werfen zu können.
Das Cover "meiner" Ausgabe der "Handschrift".
 Natürlich habe ich direkt nach hinten geblättert. Ich war etwas enttäuscht, als ich bei den Fotos auf den hinteren Seiten nichts fand. Aber dann:
Mein Text - eine ganze Seite! :-)
 Die erste Seite der Rubrik zeigt mein Gedicht! Die ganze Seite! Mit meinem Leserinnenbrief! Oh, da war die Freude riesengroß. Und mein Name steht da auch:
Mein Name. In einer Zeitschrift! 

Ich habe mich riesig gefreut und musste die Zeitschrift natürlich gleich mitnehmen. Und nun bin ich ganz stolz. Natürlich darüber, dass etwas, was ich gemacht habe, so groß abgebildet wurde. Aber vor allem darüber, dass ich Mut hatte, mein Werk zu zeigen und es abzuschicken. Das war ein großer Schritt und ich bin stolz wie Bolle!

Springt nicht nur über Eure Ostereier, springt auch mal über Eure Schatten. Es lohnt sich! :-)

Liebe Grüße,
Maike

Donnerstag, 22. März 2018

Über kleine Wächter

Liebe Alle,

ich bin der Meinung, dass es überall in unserer Welt kleine Wächter gibt. Für alles. Vor allem aber in der Natur. Das inspirierte mich vor einigen Jahren dazu, aus Fimoresten kleine Köpfe zu formen. Die stecken jetzt bei uns im Garten und in ein paar Zimmerpflanzen. Dort geben sie den Pflanzen und ihren Wächtern ein Gesicht.

Kleine Fimoköpfe
Leider nicht sehr optimal war die Idee, die Köpfe auf Schaschlikspieße zu kleben. Die faulen nämlich mit der Zeit weg.

Seit einiger Zeit (genaugenommen seit Weihnachten 2015) habe ich noch einige Päckchen Fimo (die ich doch nicht weihnachtlich verknetet habe). Darunter auch ein weißes. 
Außerdem hatte Oma Maria noch ganz viele Nadelspiele zu verschenken. Die sind immer in den Stricksets, die sie sich kauft, um daraus die weltbesten Socken zu stricken. (Oma Maria ist mein großes Strickvorbild, aber dazu ein anderes Mal mehr.) Wenn Maria ein paar Spiele zusammen hat, müssen die Nadeln, die sich sammeln, weg. Ich habe sie gerne für die Köpfe genommen. Zusammen mit dem Fimo schlummerten sie geduldig in der Bastelschublade.
Und dann kam einer dieser langen, winterlichen Filmabende und so entstanden vier neue Wächter. Die lagen dann auch wieder einige Zeit herum, weil wir nämlich nur einen Gasofen haben, der für das Brennen von Fimo (110°C) viel zu heiß ist (unter 150°C geht da nix). Also warteten die Köpfe auf ihren Besuch bei der netten Nachbarin Cordula, und dort war ich gestern, um die Ostereier von unserer Feldarbeit fertigzustellen. Währenddessen schmorten die Köpfe im Ofen und wurden fest.
Danach habe ich sie einfach mit Uhu auf die Stricknadeln geklebt und nun sind die Wächter einsatzbereit.


Probeweise leisten die Köpfe dem Pfennigbaum Gesellschaft. Der ist ein eingetopftes Gastgeschenk von der Hochzeit einer lieben Freundin letztes Jahr im Juni.

Zwei oder drei Köpfe in unterschiedlicher Höhe machen sich am besten - aber ich war nicht geduldig genug für ein anständiges Arrangement. Tschuldigung.

Wa sich an den Köpfen sehr mag, ist, dass sie weiß und sehr schlicht sind. So passen sie zu allem und stellen einen dezenten Kontrast zu den Formen und Farben von Blüten und Blättern dar.

Habt Ihr auch Wächter in Eurer Wohnung?

Liebe Grüße, wacht über Euch!

Maike

Donnerstag, 15. März 2018

Über Pfade und Wege / Mustermittwoch KW11

Liebe Alle,

habt Ihr schon vom Mustermittwoch gehört? Unter einem Monatsthema (im März sind es die Streublümchen) werden Muster erstellt. Am liebsten mittwochs (wegen der schönen Alliteration), muss aber nicht sein. Ich beobachte diese Aktion schon lange, habe aber irgendwie nie die Kurve bekommen und immer Ausreden gefunden. Zuletzt war es meine Unfähigkeit, analoge Dinge zu digitalisieren. Zwar ist das keine Voraussetzung, aber es störte mich schon lange, dass ich meine analogen Werke nicht digital weiterbearbeiten kann, um z.B. Vektordateien oder hochauflösende Dateien für bestimmte Drucke herstellen lassen zu können.

Die bahnbrechende Erleuchtung war, einen Weg zu den Pfaden zu finden, der das ändert. Ha!  "Wenn Du es nicht kannst, musst Du es Dir eben beibringen!" - und wer mir auf instagram folgt (@fraugaebel), hat vielleicht mitbekommen, dass ich vorgestern damit begonnen habe. Und zwar damit, Pfade anzulegen. Mit Pfaden kann man nämlich prima gleichmäßige Kurven zeichnen. Und das Thema "Kurven" war eine Sache, die mir unter den digitalen Nägeln brannte.

Ich habe eine einfache Vogelform skizziert, deren Grundform zwei Paisleys sind (eines der Körper, eines der Flügel), denn da habe ich beide Kurvenrichtungen drin. Schlau, oder? Habe ich mir aber gar nicht so überlegt, ergab sich einfach so, ich mal halt gern überall kleine Piepmätze hin. Ich wollte mit etwas anfangen, das ich mag. Also: Vogel. Hier ist er im Hintergrund zu sehen:


Im Vordergrund: was anderes. Im Hintergrund: Vogel.
Den habe ich dann als Makro abfotografiert und mit meinem Bamboo Graphic Tablet abgepaust (das ist so ein Zeichentablet mit Stift, geht bei solchen Dingen einfacher als mit der Maus). 
Abgepaust. Schon sehr digital, aber ich will ihn viel grafischer mit geraden Linien, nicht handgezeichnet.

Dann ging der Lernprozess los, denn es tauchten viele Fragen auf: Wie geht es jetzt weiter? Welches Programm nehm ich da überhaupt? Paint von Windows? Photoshop Elements (ruht noch auf meinem Mac)? Gimp? Eines kaufen wollte ich nicht, mit Paint komme ich gar nicht klar und Photoshop Elements bietet, wie der Name schon sagt, nur die Basiselemente - Pfade gehören nicht dazu.
Also entscheide ich mich für Gimp und benötige zweieinhalb Stunden, um das Pfadwerkzeug im Ansatz zu beherrschen und zu verstehen. Das ist gefühlt weniger als gelesen, denn im Gegensatz zum sehr theoretischen Lernen z. B. aus Büchern, mache ich learning by doing und arbeite mich Schritt für Schritt zum Endergebnis. Gut, der Vogel muss einige Tode sterben, bis ich ihn für gut befinde - aber das System ist mir am Ende klar. Ich nutze bei diesem Prozess die abgepauste Vorlage und lege da die Pfade drüber - das ist im Prinzip alles.

Deutliche glattere und geradere Linien. Der Flügel vorne ist noch nicht optimal, seht Ihr die kleine Ecke? Üben! Dieses Motiv ist übrigens das zweite, hier habe ich die Schwanzspitze und den Schnabel auf eine Höhe gesetzt. Mir ist aufgefallen, dass eine asymmetrische Figur sich zwar gut spiegeln lässt (s.u.), beim Drehen wird es da aber schon komplizierter.Sind Schwanzspitze und Schnabel auf einer Höhe, habe ich zumindest schon eine gerade Achse. Muster sind irgendwie voll Mathe!

Jetzt, da ich die Grundform habe, kann ich daraus ein Muster machen. Vervielfachen, drehen, spiegeln - alles lässt sich ausprobieren. Auch hier habe ich überlegt, welches Programm ich nutzen soll. Am liebsten arbeite ich mit dem Publisher von Windows, der ist aber nur im Büro verfügbar. Zuhause auf meinem MacBookAir habe ich nur die Standartprogramme. Hier wird im Internet zwar Pages empfohlen, ich finde aber, das eignet sich nur für Text basiertes DTP, also Zeitungen. Ähnlich ging es mir mit Scribus - der Name impliziert es ja schon. Die beiden schwarzweiß-Muster unten sind im Publisher erstellt, die bunten am Ende des Beitrages tatsächlich wieder in Gimp.


Zwei Vögel gespiegelt und in Reihen neben- und untereinander gesetzt. Schnäbel und Schwanzspitzen berühren sich trotz unterschiedlicher Höhe und schließen die Zwischenräume zu neuen Formen.

Zwei Vögel gedreht, aneinander gesetzt und untereinander in  Reihen gesetzt. Danach habe ich die Reihe gespiegelt und daneben gesetzt. Wäre die Rückenlinie des Vogel gleichmäßig im Auf- und Abschwung, hätten die Vögel besser aneinander gepasst, etwa so wie beim YinYang. Außerdem wäre die leichte Wellenbewegung, die in den Querreihen entstanden ist, wahrscheinlich weggefallen.
Gestern ging es weiter. Da ich mich am Mustermittwoch orientiere, muss daraus irgendwie etwas Blumiges werden. Ich nutze den Vogel als Blütenblatt und setze vier von ihnen an der Schwanzfeder zusammen - geht bei mir als Blümchen durch. Danach fülle ich Flächen und Linien mit Farbe.

Vogelblümchen


Nun habe ich eine Mustervorlage. Die kann ich wieder vervielfältigen, drehen und aneinander setzen und am Ende kommt eine grafisch gemusterte Streublümchenwiese aus Vögeln heraus. Mein erstes digitales Musterprojekt!😍

Streublümchenmuster.
Die Sache mit den Pfaden ist gar nicht so schwer. Man braucht nur viel Übung. Vor allem brauche ich erstmal ein Auge für die digitale Arbeit, denn ich bin das analoge Arbeiten gewohnt. Bis zum nächsten MusterMittwoch könnte ich:
  • Die Ecke am Flügel ausbessern
  • Überlegen, wie ich die Blümchen übereinander bekomme (sie sind jetzt leicht nach rechts versetzt; ich überlege noch, ob ich das gut finde)
  • Die Vogelvorlage zu anderen Mustern kombinieren (wie oben) und färben
Es gibt genug Möglichkeiten, mich zu beschäftigen und zu üben. (Pssst: Ich träume ja davon, eine meiner Handschriften zu digitalisieren, da kann ich Übung vorher gut gebrauchen.) Das Verlockende an Mustern ist, dass alles überaus symmetrisch sein kann - es aber nicht sein muss. Es kommt darauf an, was man als Ergebnis haben möchte. Ich hatte kein fertiges Muster vor Augen, sondern habe ins Blaue gearbeitet. Dafür reicht es, ein bisschen Gefühl für Rhythmus und Bildaufteilung zu haben. Ganz viele Blümchenmuster findet Ihr in der Linksammlung von Müllerin Art.


Macht es gut da draußen, passt auf Euch auf und sucht fleißig Streublümchen!

Maike

PS: Kennt jemand eine Alternative zum Publisher von MS Office oder zum InDesign von Adobe? Mit welchen Programmen arbeitet Ihr, womit habt Ihr gute Erfahrungen? Ich freue mich über Anregungen!

Sonntag, 11. März 2018

Über das PostKunstWerk


Liebe Alle,

in meinem letzten Post habe ich Euch von meinem neuen Projekt erzählt: dem PostKunstWerk. Ich habe schon ein paar Mal über dieses schöne Projekt von Michaela und Tabea gelesen und die Kunstwerke bewundert. Leider war ich aber immer zu spät - bis ich dieses Mal endlich die Anmeldung pünktlich geschafft habe.
In diesem Projekt geht es darum, Kunstwerke zu erstellen und sie an andere TeilnehmerInnen, die man in einer Liste mitgeteilt bekommt, innerhalb eines bestimmten Zeitraumes zu versenden. Im Gegenzug erhält man von den anderen TeilnehmerInnen ihre Interpretationen der gestellten Aufgabe.
Dieses Mal wollen wir mit Walzendruck und dem Farbton "sanfter Morgentau" Über 10 Wochen den Frühling wecken.
Drucktechnik finde ich grundsätzlich sehr verlockend (neulich habe ich Abdrucke von Straßenpflastern und Gullideckeln gesehen und wollte gleich rausrennen - aber das ist eine andere Geschichte), zumal die Druckwalzen selbst gestaltet sein sollten.
Also bin ich losgestiefelt und habe alles, was sich verwalzen ließ, aufgetrieben und bearbeitet: Fahrradgriffe, Lackierrollen, Nudelhölzer, Knallfolie, Bindfaden, Klopapierrollen etc. pp. Leider konnte ich kein Moosgummi auftreiben. Daraus kann man sehr präzise Formen ausschneiden, sie dann auf ein Nudelholz kleben und zack! Rolle fertig.

Materialsammlung für die Walzenerfindung
Bei alpina hatte ich mir zwar eine Farbkarte und dazu passende Farbtöne bestellt - aber ganz ehrlich: Den Ton ganz oder so gut wie möglich zu treffen und dann einen ausreichenden Vorrat für alle Bögen, Testdrucke und evtl. Zusatzdrucke anzumischen, da hatte ich ganz einfach keine Lust drauf. Erfreulicherweise mischte mir die nette Dame im Bauhaus Solingen exakt den gewünschten Ton zusammen. 1 Liter, € 8,50 und keine Sorgen. Passt! Also ab nach Hause und an die Probedrucke.

Probedrucken

Einige meiner Walzen überzeugten wenig. So war z. B. der Schaumstoff der Lackierrollen zu weich und die geschnittenen Formen kamen nicht gut raus. Die mit Klebeverband umwickelte Klopapierrolle zeigte zu wenig Struktur und die Knallfolie, die ich zu kleinen Streublümchen ausgeschnitten und auf das Nudelholz geklebt hatte, fiel einfach wieder ab. Schade, darauf hatte ich am meisten gesetzt.
Am besten gefielen mir die einfachen Muster, vor allem die Knallfolie (am Stück mit Bindfaden um das Nudelholz gewickelt) in zwei Größen und die Malerrolle, in die ich durch schräges Umwickeln mit Garn ein Rautenmuster gebunden hatte.

In meinem Fundus von Acrylfarben fand ich ein passendes Gelb (Lucas Cryl pastos #4012, Brilliantgelb dunkel) und ein passendes Blau (Lucas Cryl pastos #4149, Königsblau hell). Beide enthalten einen hohen Weißanteil, ebenso wie die alpina Wandfarbe. Sie ließen sich alle ganz hervorragend mischen, jedoch trocknen beide Farbsorten sehr schnell. Das ist natürlich prima, wenn man mehrschichtig druckt, aber man muss die Farben zügig verbrauchen und benötigt eine gewisse Freude an Improvisation und Spontaneität.

Blattsammlung Probedrucke

Details: Links das Rautenmuster, rechts große Knallfolie und Klebeverbandrolle.

Details: Links oben das Rautenmuster, in der Mitte eine Streifenrolle - gefällt mir, aber wirkt mir irgendwie zu klobig für den Frühling. Unten Häkeldeckcken und Strickstück auf eine Klopapierrolle geklebt. Sieht gut aus, ist aber als Stempel wahrscheinlich leichter zu handhaben als auf einer Rolle. Rechts große Knallfolie und Rautenmuster.

 Als Papier habe ich ein dunkles Skizzenpapier versucht (zu sehen auf dem Foto mit den Häkeldeckendrucken, außerdem ein Aquarellpapier (weil ich die Farbe stark verdünnt probieren wollte, zu sehen im Blatt der Papiersammlung unten rechts) und - mein Favorit: Das dicke Skizzenpapier von dorrée mit 170g. Natürlich habe ich auch die Papiere für die anderen Damen schon fertig, aber da ich erst am 19. März mit Verschicken dran bin, wird hier noch nichts verraten :-)

Gedanken, Ideen und Inspirationen zur Frühlingspost2018 mit einem leckeren Kaffee :-)

...und weil in der Ecke noch Platz war, wird schnell noch etwas gelettert.

Bis dahin werden dann noch die Umschläge passend dekoriert und ich habe noch ein paar Tage Zeit, mir Gedanken zu machen, was einem Frühlingsfreude mit der Post bringen kann.

Mein Wochenende war (und ist noch!) jedenfalls genauso, wie ich es mir gewünscht habe: erschaffend, werkend, farbig, frühlingshaft und (ent-)spannend.

Habt einen schönen Sonntag!

Maike

PS: Wer auf instagram unterwegs ist, findet viele tolle Bilder mit den Hashtags #postkunstwerk und #frühlingspost2018 !

Freitag, 9. März 2018

Über die Kreativität (ohne Fotos)

Liebe Alle,

in den letzten Wochen ging es mir schlecht. Es war nicht die Grippe, die mich erwischte, es war eine große Traurigkeit. Ich kann das gar nicht so wirklich beschreiben. Ich war einfach nicht mehr fröhlich, so wie bei Momo mit den grauen Herren. Das ist sehr untypisch für mich. Ich konnte es mir lange nicht erklären, denn abgesehen von dem tagelangen wirklich sehr schönen Wintersonnenwetter habe ich sehr viel Sport getrieben und mich gesund ernährt. Man möchte meinen, alles war gut.
War es aber nicht. Ich war nicht glücklich, antriebslos und zu allem demotiviert. Lange habe ich überlegt, woran das liegen könnte. Ja, die Arbeit ist momentan mehr als unbefriedigend mit einem nicht reibungslos funktionierenden neuen Server, der selbst das Drucken einer A4-Seite zum Staatsakt macht, dessen Ausgang so unberechenbar (und meist überraschend) ist, wie die nächsten Lottozahlen. Aber auf der Arbeit ist immer etwas - mal funktioniert die Technik nicht, mal ist viel zu tun in wenig Zeit. Das konnte nicht der alleinige Grund sein.
Irgendwann wurde es so schlimm, dass ich mich zu nichts mehr aufraffen konnte außer schlafen und essen und dass mir, ehrlich gesagt, auch ziemlich alles egal wurde.

Und dann kam der Abend der Feldarbeit, ein Freitag. Die Feldarbeit ist eine Gruppe kreativ schaffender Frauen aus meiner Straße, die sich einmal im Monat trifft, um verschiedenen Arbeiten nachzugehen. An diesem Abend bemalten wir Ostereier. Wir saßen zusammen, es gab Tee und Kekse und die Styroporeier wurden bunter und bunter. Ich habe in 4 Stunden nur ein (!) Ei fertig bekommen, so klein und fuzzelig habe ich gepinselt. Und als ich nach Hause ging, war alles anders: mir war wohlig, ich fühlte mich glücklich. Ich war ausgeglichen, guter Stimmung und begeistert.
Dann kam der Montag und es ging rapide bergab. Ich musste im Büro lange arbeiten und Zuhause konnte ich mich zu nichts aufraffen. Netflix war die Abendbegleitung und weil ich keine Handarbeit hatte, um mich zu beschäftigen, surfte ich nebenbei bei instagram herum. Ich war vollkommen unproduktiv, unrettbar Schokoladen fixiert, übellaunig und gestresst von allem und jedem.

Heute musste ich extra lange im Büro bleiben und zum Feierabend hin beschäftigte ich mich ein wenig mit der Frühjahrspost vom PostKunstWerk (dazu später mehr). Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Seit Wochen war ich nicht mehr kreativ - bis auf die abendliche Fertigstellung einer Decke (eine eher eintönige Fleißarbeit) und die Feldarbeit. Ich hatte nichts geschrieben, nicht gezeichnet, nichts geklebt, nichts gemalt - nichts. Und damit habe ich mich selbst arg beschnitten, denn ganz gleich, wie gesund viel Sport ist, wie unterhaltsam Netflix sein kann: Ein kreativer Mensch muss kreativ sein, sonst geht er ein.
Nach dieser banal klingenden Erkenntnis (ich habe immerhin sehr lange gebraucht, um das festzustellen, obwohl es für mich ja einleuchtend sein müsste) gab es kurz ein enormes Getöse von der Last, die mir von den Schultern fiel und ich war schlagartig wie ausgewechselt.

Und nun sitze ich hier, tobe mich am aktuellen PostKunstWerk-Projekt aus und scheine wieder ganz die Alte zu sein. Sehr, sehr befreiend.

Hört in Euch und hört auf Eure innere Stimme!

Alles Liebe,
Maike

PS: Aus den Feldarbeit-Eiern machen wir übrigens die Osterdeko für den Jahreszeitenbaum. Das ist ein Baum, den wir dieses Jahr immer wieder jahreszeitlich gemeinsam dekorieren wollen. So können sich alle Buscher Felder an dem Baum erfreuen.